AI Security & Compliance
Was ist AI Red Teaming und wie testet man KI-Systeme auf Schwachstellen?
Klassisches Security-Testing prüft, ob ein System gegen bekannte technische Angriffsmuster geschützt ist — AI Red Teaming prüft zusätzlich, ob sich ein Modell durch geschickte Formulierung zu unerwünschtem Verhalten bewegen lässt.
Nextise Wissen · · 6 Minuten Lesezeit
Direkte Antwort
AI Red Teaming testet ein KI-System systematisch mit adversarialen Eingaben — Prompt Injection, Jailbreak-Versuche, Anfragen zur Extraktion von Trainingsdaten oder Systemanweisungen — um Schwachstellen zu finden, bevor sie in Produktion ausgenutzt werden. Anders als klassisches Penetration Testing zielt es speziell auf die Eigenheiten von LLM-basierten Systemen, deren Verhalten sich nicht wie klassischer Code deterministisch vorhersagen lässt.
Ein LLM lässt sich nicht wie eine klassische Anwendung auf eine feste Liste bekannter Schwachstellen prüfen — sein Verhalten muss aktiv mit kreativen Eingaben herausgefordert werden.
Typische Angriffsvektoren beim AI Red Teaming
Red-Teaming-Übungen prüfen unter anderem, ob sich das Modell durch Prompt Injection zu unbeabsichtigtem Verhalten verleiten lässt, ob es sich durch Jailbreak-Formulierungen dazu bringen lässt, eigentlich verweigerte Inhalte zu produzieren, und ob es versehentlich Trainingsdaten, Systemanweisungen oder Informationen aus vorherigen Konversationen preisgibt.
Diese Tests werden meist iterativ und kreativ durchgeführt, weil neue Umgehungsformulierungen laufend entstehen und sich nicht abschließend in einer statischen Testliste erfassen lassen.
Automatisiertes vs. manuelles Red Teaming
Automatisierte Tools können bekannte Angriffsmuster in großer Zahl systematisch gegen ein System testen und liefern damit eine breite Grundabdeckung, finden aber typischerweise nicht die kreativeren, neuartigen Umgehungswege, die ein erfahrener menschlicher Red Teamer entwickelt.
Ein robuster Ansatz kombiniert automatisierte Basisabdeckung mit gezielten manuellen Red-Teaming-Sessions, besonders vor wichtigen Releases oder bei Systemen mit hohem Schadenspotenzial bei Missbrauch.
Ergebnisse in konkrete Schutzmaßnahmen überführen
Gefundene Schwachstellen sollten nicht nur dokumentiert, sondern in konkrete Gegenmaßnahmen übersetzt werden — etwa zusätzliche Eingabevalidierung, ein separates Klassifikationsmodell zur Erkennung verdächtiger Eingaben, oder angepasste System-Prompts, die bekannte Umgehungsmuster explizit adressieren.
Da neue Umgehungswege laufend entstehen, sollte Red Teaming als kontinuierlicher Prozess angelegt werden, nicht als einmalige Prüfung vor dem ersten Launch.
Wann passt es — wann nicht?
Passt gut, wenn …
- Das KI-System ist öffentlich zugänglich oder verarbeitet sensible Daten
Ein anderer Ansatz ist nötig, wenn …
- Es handelt sich um ein rein internes Experiment ohne Zugriff auf sensible Daten oder externe Nutzer
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Selina Schmid
Leiterin Kodschul

